Kategorie · Methode

Simulationsbasierte Projektkalkulation

Die Methode, mit der Costmark Projekte kalkuliert. Sie beantwortet die Frage „was kostet es“ nicht mit einer Zahl, sondern zeigt, wie wahrscheinlich welcher Aufwand ist — und welche Treiber die Streuung verursachen.

Definition

Simulationsbasierte Projektkalkulation überführt ein Vorhaben in ein strukturiertes Projektmodell mit hinterlegten Unsicherheiten und rechnet daraus per Monte-Carlo-Simulation eine Vielzahl möglicher Projektverläufe durch. Das Ergebnis ist eine vollständige Aufwands- und Kostenbandbreite (P10/P50/P90) statt einer einzelnen, trügerisch präzisen Punktschätzung.

aVorgehen

Von Anforderungen zur Bandbreite.

  1. 01

    Projektbeschreibung und Modell

    Aus den vorliegenden Unterlagen entsteht zunächst eine vollständige Projektbeschreibung — Struktur, Ressourcen, Dauer, Liefergegenstände —, die vor der Simulation abgenommen wird. Daraus wird das Modell: Statt einer einzelnen Zahl je Position hinterlegen wir Bandbreiten und Abhängigkeiten.

  2. 02

    Monte-Carlo-Simulation

    Auf Basis des Modells wird eine Vielzahl möglicher Projektverläufe durchgerechnet. Jeder Verlauf kombiniert die hinterlegten Unsicherheiten zu einem Gesamtergebnis. So entsteht keine Punktschätzung, sondern eine Verteilung von Aufwand, Kosten und Dauer.

  3. 03

    Vollständige Bandbreite

    Aus der Verteilung lesen wir belastbare Kennzahlen ab: P10, P50 und P90. Die Darstellung ist bewusst vollständig — sie macht die unvermeidbare Unsicherheit transparent, statt eine trügerische Punkt-Sicherheit zu versprechen.

bKennzahlen

Gerechnet wird je Arbeitspaket, nicht auf Gesamtebene.

Spanne je Arbeitspaket

Beispiel · eine Phase

Phase Anforderungsanalyse & Konzept

PlanwertUngünstiger Verlauf
Spanne der Arbeitspakete einer Projektphase am Beispiel der Phase Anforderungsanalyse und Konzept. Die waagerechten Bänder laufen jeweils vom Planwert am linken Anschlag bis zum ungünstigen Verlauf des betreffenden Arbeitspakets; der rechte Anschlag markiert die größte in dieser Phase auftretende Spanne. Angegeben ist je Arbeitspaket, um welchen Faktor der Aufwand vom Planwert bis zu einem ungünstigen Verlauf wächst, und wie viele Aufwandstreiber auf dieses Paket wirken: eine Seite Dokumentation wächst um den Faktor 1,75 bei zwei wirkenden Treibern, ein Abstimmungstermin um den Faktor 2,33 bei vier wirkenden Treibern. Für die Phase insgesamt ergibt sich der Faktor 1,99. Die beiden Pakete derselben Phase streuen also unterschiedlich stark. Absolute Stunden sind bewusst nicht angegeben. Alle Werte stammen aus einem Beispielvorhaben.
Seite Dokumentation2 Treiber×1,75
Abstimmungstermin4 Treiber×2,33
Phase gesamtaus beiden Paketen×1,99
11
Phasen
39
Positionen

Zwei Pakete, zwei Spannen: je mehr Treiber auf ein Paket wirken, desto weiter läuft es auseinander.

Arbeitspaket-Ebene · vorgerechnetes Beispiel

Beispielhafte, vorgerechnete Simulation. Für ein konkretes Vorhaben wird ein eigenes Projektmodell aufgebaut und kalibriert.

Perzentile beschreiben die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Aufwand nicht überschritten wird. Sie ersetzen die eine Zahl durch eine ehrliche Aussage über Streuung. Wo Sie innerhalb dieser Bandbreite planen, bleibt Ihre Entscheidung.

  • P10Optimistisch

    In nur 10 % der simulierten Verläufe liegt der Aufwand darunter. P10 ist die untere, ambitionierte Grenze — kein Planwert.

  • P50Median

    Die Hälfte der Verläufe liegt darunter, die Hälfte darüber. P50 ist der zentrale Erwartungswert, nicht das sichere Ergebnis.

  • P90Abgesichert

    In 90 % der Verläufe wird dieser Wert nicht überschritten. P90 eignet sich als budgetsichere Planungsbasis.

cKalibrierung

Warum die Bandbreite belastbar ist

Eine Simulation ist nur so gut wie ihre Annahmen. Deshalb werden die hinterlegten Verteilungen an strukturierten Erfahrungswerten und abgeschlossenen Projekten kalibriert und Abhängigkeiten zwischen Positionen (Korrelationen) berücksichtigt. So wird vermieden, dass sich Unsicherheiten fälschlich herausmitteln — die reale Streuung bleibt sichtbar. Die methodische Grundlage entsteht gemeinsam mit unserem wissenschaftlichen Partner AlgebraX.

Warum die Summe plausibler Einzelschätzungen systematisch zu niedrig liegt, belegt der Insight Wo die Tabellenkalkulation an ihre Grenze kommt anhand der veröffentlichten Untersuchungen.

dProjektarten

Welche Projekte sich simulieren lassen

Die Methode ist domänenunabhängig: Voraussetzung ist keine bestimmte Branche, sondern eine beschreibbare Projektstruktur. Ob Software, eine Anlage oder ein Organisationsvorhaben entsteht, ändert das Modell — nicht das Verfahren.

Entwicklungsprojekte

Projekte mit hohem Neuanteil, in denen der Aufwand von Konzeptentscheidungen, Schnittstellen und Integrationsschritten abhängt — der heutige Schwerpunkt, insbesondere Software im Maschinen- und Anlagenbau.

Anlagen- und Investitionsprojekte

Projekte mit langen Laufzeiten, Gewerke-Abhängigkeiten und Inbetriebnahmerisiken. Die Streuung entsteht hier vor allem aus Terminketten und Schnittstellen zwischen Beteiligten.

Organisations- und Transformationsvorhaben

Projekte, deren Aufwand weniger an Technik als an Beteiligten, Abstimmungsschleifen und Migrationsschritten hängt. Auch diese lassen sich als Projektmodell abbilden und durchrechnen.

eAbgrenzung — Schätzverfahren

Im Vergleich zu etablierten Verfahren

Andere Schätzverfahren haben ihre Berechtigung — sie machen Unsicherheit aber selten explizit.

Expertenschätzung
Beruht auf Erfahrung und Bauchgefühl. Liefert eine einzelne Zahl, macht Unsicherheit und Kostentreiber aber nicht explizit — Abweichungen werden erst spät sichtbar.
Delphi
Strukturiert Expertenmeinungen über mehrere Runden und reduziert Ausreißer. Bleibt jedoch meinungsbasiert und liefert keine kalibrierte Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Function Points
Misst funktionalen Umfang und ist für klassische IT-Projekte etabliert. Für Steuerungs-, Automatisierungs- und Embedded-Software im Maschinen- und Anlagenbau greift die Metrik oft zu kurz.
PERT (ohne Kalibrierung)
Rechnet mit Drei-Punkt-Schätzungen und ist ein Vorläufer des Simulationsgedankens. Ohne kalibrierte Verteilungen und Korrelationen unterschätzt die klassische Anwendung die reale Streuung.

fAbgrenzung — Planungstools

Kein Ersatz für Ihre Planungswerkzeuge

Planungs- und PM-Tools rechnen mit den Werten, die Sie eingeben. Die Simulation setzt davor an: Sie erzeugt diese Werte.

MS Project / Terminplanung
Plant Vorgänge und Termine auf Basis eingegebener Dauern. Die Unsicherheit dieser Dauern bleibt unsichtbar; ein Puffer ersetzt keine Verteilung.
Jira / Story Points
Steuert Umsetzung und Velocity im laufenden Betrieb. Für die Angebots- und Budgetphase fehlt die Datenbasis, und Story Points lassen sich nicht in belastbare Kosten übersetzen.
ERP-Vorkalkulation
Rechnet mit Stundensätzen und Zuschlägen auf vorgegebene Mengen. Sie beantwortet, was ein Aufwand kostet — nicht, wie wahrscheinlich dieser Aufwand ist.

gAusgearbeitete Anwendungsfälle

Wofür die Kalkulation genutzt wird

Der Unterschied zwischen den Fällen liegt nicht in der Methode, sondern in der Frage, die damit beantwortet wird.

Value- & Cost-Engineering

Welche Funktionen und Anforderungen bestimmen die Kosten eines Produkts?

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hFAQ

Häufige Fragen

Was ist simulationsbasierte Projektkalkulation?

Simulationsbasierte Projektkalkulation überführt ein Vorhaben in ein strukturiertes Projektmodell mit hinterlegten Unsicherheiten und rechnet daraus per Monte-Carlo-Simulation eine Vielzahl möglicher Verläufe durch. Ergebnis ist eine vollständige Aufwands- und Kostenbandbreite (P10/P50/P90) statt einer einzelnen Punktschätzung.

Wofür stehen P10, P50 und P90?

Die Perzentile beschreiben, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Aufwand nicht überschritten wird. P10 ist die optimistische untere Grenze, P50 der Median, P90 die abgesicherte obere Grenze, die sich als budgetsichere Planungsbasis eignet. Wo innerhalb dieser Bandbreite Sie planen, ist Ihre Entscheidung — die Simulation legt sie offen, statt sie Ihnen abzunehmen.

Warum ist eine Projektsimulation in diesem Detailgrad erst heute praktikabel?

Ein Vorhaben so fein aufzulösen, statt es auf wenige Sammelpositionen zu verdichten, war lange nicht wirtschaftlich darstellbar. Erst die heute verfügbare Rechenleistung und die maschinelle Modellbildung machen es möglich, ein Projektmodell mit hunderten unsicheren Positionen aufzubauen und wiederholt durchzurechnen. Klassische Kalkulationsverfahren mussten diese Detailtiefe aus Aufwandsgründen aggregieren — und haben damit genau die Streuung verdeckt, auf die es ankommt.

Wie unterscheidet sich die Methode von einer klassischen Expertenschätzung?

Eine Expertenschätzung liefert eine einzelne Zahl und verbirgt die zugrunde liegende Unsicherheit. Die simulationsbasierte Kalkulation macht Unsicherheit und Kostentreiber explizit und gibt eine nachvollziehbare Bandbreite aus — Abweichungsrisiken werden dadurch früh sichtbar und besprechbar.

Ersetzt das Jira, MS Project oder unsere Vorkalkulation?

Nein. Planungswerkzeuge wie MS Project oder Jira verwalten Aufgaben, Termine und Fortschritt — sie rechnen aber mit den Werten, die Sie eingeben, und machen deren Unsicherheit nicht sichtbar. Die simulationsbasierte Projektkalkulation setzt davor an: Sie erzeugt die belastbaren Werte, mit denen anschließend geplant wird. Sie ergänzt Ihre Vorkalkulation und ERP-Systeme, statt sie zu ersetzen.

Welche Daten brauchen Sie für eine Simulation?

Im Regelfall genügen Anforderungs- oder Lastenheft, eine Funktions- oder Modulübersicht, Angaben zu Hardware und Schnittstellen sowie — falls vorhanden — eine bestehende Schätzung und Erfahrungswerte aus vergleichbaren abgeschlossenen Projekten. Ein fertiger Projektplan ist keine Voraussetzung: Aus den vorliegenden Informationen entwickeln wir eine umfassende Projektbeschreibung mit Projektstruktur, Ressourcen, Dauer und Liefergegenständen, die Sie vor der Simulation abnehmen. Fehlende Angaben werden im Modell als Unsicherheit hinterlegt und nicht durch Annahmen verdeckt.

Wie viele Simulationsläufe sind nötig?

Die Zahl der Läufe wird nicht pauschal festgelegt, sondern je Modell so gewählt, dass die ausgewiesenen Perzentile stabil bleiben. Entscheidend ist ohnehin nicht die Anzahl der Läufe, sondern die Kalibrierung der hinterlegten Verteilungen und Korrelationen sowie die Auflösung des Modells. Ein fein aufgelöstes, gut kalibriertes Modell liefert bei moderater Laufzahl belastbarere Ergebnisse als ein grobes Modell mit sehr vielen Läufen.

Wird im Browser live gerechnet?

Nein. Die Simulation läuft in der Costmark-Engine; die Website zeigt vorgerechnete, beispielhafte Ergebnisse. Für ein konkretes Vorhaben wird ein eigenes Projektmodell aufgebaut und kalibriert.